20. Warum hast du dann unterschrieben? – Loyalität ohne Selbstverrat

Shownotes

​Jörg Hubers Buchtipps:

  1. Tatjana Schnell und Kilian Trotier: Warum es gut ist, das Leben zu hinterfragen | Ein wissenschaftlich fundierter Wegweiser und
  2. Robert Waldinger und Marc Schulz: The Good Life … und wie es gelingen kann: Erkenntnisse aus der weltweit längsten Studie über ein erfülltes Leben - New York Times Bestseller Mein Tipp: Unsere Bildungs-Akademie bietet auch zu anderen Führungsthemen Trainingsmöglichkeiten wie zum Beispiel "Vom Teammitglied zum Vorgesetzten", "Die eigene Führungsrolle reflektieren", "Mitarbeitergespräche führen", Resilienz, Achtsamkeit, Potentialanalyse, Kompetenzanalyse, Coaching u.v.m. Wenn Ihr Fragen oder Anregungen zu weiteren Themen habt, nehmt bitte Kontakt zu mir auf über die Homepage: www.bildungs-akademie-mosbach.de oder direkt über kerstin.wollf@johannes-diakonie.de

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00:00:00: Dann kam noch mal das Gespräch auch auf diese scharfe Dokument, diesen scharfen Brief.

00:00:04: Und ich habe mich dann in diesem Gespräch davon distanziert und gesagt, eigentlich ist das gar nicht meine Meinung, die darüber kommt.

00:00:12: Und dann kam von der Gegenseite eine schroffe Bemerkung, die mich sehr getroffen hat.

00:00:17: Nämlich, warum hast du denn unterschrieben?

00:00:20: So.

00:00:36: Herzlich willkommen in meinem Podcast.

00:00:38: Schön, dass du eingeschaltet hast, freue ich mich sehr drüber.

00:00:56: Auch heute habe ich wieder einen Gast bei mir, der mit mir über einen Fehler spricht, der noch ganz lange in ihm nachgeklungen hat.

00:01:04: In der vierten Episode war er bereits einmal her.

00:01:08: Es ist Jörg Huber.

00:01:10: Bis Oktober XXV war er noch einer der beiden Vorstände der Johannes Diakonie.

00:01:16: Aber inzwischen ist er im Ruhestand und hat ein wenig Zeit für uns gefunden.

00:01:20: Lassen wir ihn also nicht warten.

00:01:29: Ja, hallo Jörg, schön dich hier bei mir zu haben.

00:01:32: Danke, Gastin, bin auch gerne hier.

00:01:35: Freue ich mich darüber.

00:01:36: Sag mal, wie bist du denn eigentlich heute in den Tag gestartet?

00:01:40: Mit Espresso, Tee oder hast du ein anderes Ritual?

00:01:45: Kerstin, wir kennen uns doch jetzt schon wirklich lange.

00:01:47: Ich habe dir bestimmt schon erzählt, dass ich jeden Morgen einen kräftigen Ostfriesen-Schwarztee trinke, so fast ein Liter.

00:01:55: Und das habe ich auch heute gemacht.

00:01:57: Na dann ist ja gut.

00:01:58: Sag mal, wo sitzt du gerade?

00:02:00: Hast du jetzt so einen besonderen Lieblingsplatz, wenn du am Rechner sitzt?

00:02:05: Ich habe einen Schreibtisch in einem separaten Zimmer, in meinem Arbeitszimmer, an dem ich jetzt auch sitze.

00:02:11: Und wenn du dich jetzt mal umguckst in deinem Büro oder in dem Zimmer, in dem du da bist, was würdest du sagen, deine Rolle als Vorstand?

00:02:20: Welter Gegenstand jetzt in deinem Zimmer passt zu dieser Rolle am besten?

00:02:27: Rechts von mir ist eine Bücherwand.

00:02:30: Und da sind viele Bücher zum Thema Management.

00:02:32: Küren und Leiten und Betriebswirtschaft und Organisationsentwicklung.

00:02:39: Also, wenn ich dir die jetzt alle hole, dann ist unsere Zeit schnell vorbei.

00:02:43: Ja, und der Bildschirm ist voll.

00:02:44: Dann sehe ich dich nicht mehr.

00:02:47: Ja, du hast es jetzt gerade schon selber gesagt, dass du da Bücher hast zum Thema Management und Führen und Leiten.

00:02:53: Da sind wir jetzt auch gleich bei dem Thema für heute.

00:02:57: Wir wollten uns ja darüber unterhalten, dass du dich auch noch an so eine Situation erinnerst in deinem Vorstandsleben, mit der du im Nachhinein nicht so ganz glücklich warst.

00:03:08: Das Vorstandsleben dauert schon lange an.

00:03:11: Also es wurde mal kurz unterbrochen.

00:03:13: Aber ich habe gerade nochmal rekapituliert.

00:03:16: Seit ungefähr dreißig Jahren bin ich Vorstand gewesen.

00:03:24: In vorhergehenden Einrichtungen oder in einer vorhergehenden Einrichtung.

00:03:29: Und jetzt sind der Johannes Diakoni.

00:03:31: Und ehrenamtlich bin ich auch schon Vorstand gewesen.

00:03:35: Kinderhospiz.

00:03:37: oder auch in der Sozialstation, die Dinge sind alle jetzt organisatorisch entweder abgegeben oder eben auch unorganisiert.

00:03:45: Die Vorstandstätigkeit ist mir aus vielerlei Bezügen recht vertraut geworden, durch viele jahrelange Praxis.

00:03:53: Wir haben ja im Vorfeld darüber gesprochen, es gab ja nur so eine Situation, wie gesagt, mit der du nicht so glücklich warst, da ging es um ein Schreiben.

00:04:02: Kannst du das uns mal... Schildern, welche Situation war das?

00:04:08: Es gab bestimmt in diesen dreißig Jahren eine und andere Situation, mit der ich nicht ganz glücklich war.

00:04:14: Aber mit Blick auf unser Gespräch jetzt ist mir da ein Thema eingefallen, das vielleicht ein bisschen auch ein Nischenthema ist und wahrscheinlich bei dir auch noch nicht vorgekommen ist.

00:04:24: Ein kleines Thema, das jedem so im Alltag passieren kann.

00:04:28: Nicht von ganz großer Bedeutung, aber hat eher auch was mit Haltung zu tun.

00:04:33: mit dem Umgang auch von Entscheidungen.

00:04:37: Unser Podcast heißt ja Entscheidungen treffen.

00:04:41: Eigentlich müsste er heißen mit Entscheidungen umgehen.

00:04:45: Oder mit Entscheidungen leben.

00:04:47: Und mit Entscheidungen leben wird es genauso treffen.

00:04:51: In Leitungsgremien oder Vorstandsgremien gibt es manchmal eben auch Entscheidungen zu treffen, zu denen nicht jeder einzelne gut stehen kann.

00:05:01: Aber Entscheidungen, die dann doch notwendig sind und die dann vielleicht auch getroffen werden, wenn der eine oder andere nicht so einverstanden ist, weil das Thema voranzubringen ist und weil der, der unglücklich mit dem Thema ist, vielleicht auch keine bessere Idee hat.

00:05:21: oder auf jeden Fall ist es ja immer wichtig, dass ein Vorstandsgremium oder ein Entscheid- leitungskreisgremium nach außen hin mit einer Meinung auftritt.

00:05:32: Das sollte nicht nach außen unterschiedliche Positionen kommuniziert werden.

00:05:38: Und da kann es manchmal sein, dass der eine oder andere eben über sein Schatten springen muss und irgendwo auch was unterschreiben muss, womit er eigentlich innerlich gar nicht einverstanden ist.

00:05:52: Und so eine Situation gab es hauptsächlich mal in meinen dreißig Jahren und ich habe dann unterschrieben, mit bitter-süßermine oder auch mit ganz ungutem Gefühl, weil ich die Auswirkungen da dann auch gefürchtet habe, das Schreiben wurde denen auch verschickt.

00:06:09: Sag mal, und in welchem Moment hast du denn gemerkt, eigentlich stehst du nicht so hundertprozentig dahinter beim Unterschreiben oder vorher schon?

00:06:20: Als sozusagen die Rohfassung des Schreibens auf dem Tisch lag und darüber diskutiert wurde.

00:06:26: noch die eine oder andere Veränderung auch vorgenommen, wurde vielleicht in der Tonlage oder auch in den Aussagen.

00:06:34: Und trotzdem war es nicht so, dass ich das alleine hätte losgeschickt.

00:06:40: Ich hätte das so nicht geschrieben und ich hätte es auch nicht so losgeschickt.

00:06:43: Aber weil eine Entscheidung her musste und weil ich auch keine bessere Idee hatte, habe ich dann eben mit diesem doch relativ unguten Gefühl unterschrieben.

00:06:53: Aber was genau war es denn, was dich hat zögern lassen?

00:06:57: Oder bei dir ging ja innerlich so eine Alarmglocke an.

00:07:00: Verstand da was auf dem Spiel, also für dich?

00:07:04: Für mich jetzt, ich würde sagen, für mich nicht, sondern für die Einrichtung insgesamt.

00:07:09: Und es ging einfach auch um Kooperation und vielleicht auch um eine Störung der Kooperation, die durch diesen Brief ausgelöst wurde.

00:07:18: Also die Gegenseite wurde... in diesem Brief ziemlich abgewatscht, sage ich mal.

00:07:24: Und was hast du dir denn da so innerlich gedacht, als du unterschrieben hast, weißt du das noch?

00:07:31: Ich hätte wahrscheinlich einen großen Eklahaus intern herbeigeführt, wenn ich mich da davor gewährt hätte.

00:07:39: Und es wäre eben so gewesen, dass dann tatsächlich nach außen hinter Vorstand nicht konkurrent oder mit einer Stimme auftritt.

00:07:47: Das muss man vermeiden, das muss man... Wenn es irgendwie geht, muss das vermieden werden.

00:07:51: Und ich habe es vermieden, indem ich dann einfach auch über meinen Schatten gesprungen bin und mit unterschrieben

00:07:57: habe.

00:07:57: Also es war jetzt nicht so, dass du gedacht hast, okay, ich unterschreibe jetzt, weil ich hier kein Störfaktor sein möchte, sondern du hattest eine andere Motivation.

00:08:07: Einheitliche oder stringente Außenwirkung.

00:08:11: Genau, genau.

00:08:12: Und ich wäre der Störfaktor gewesen.

00:08:17: Ach, wenn du nicht unterschrieben

00:08:18: hättest.

00:08:19: Ja, und kannst du dich dann noch erinnern, wie war denn so die Stimmung?

00:08:23: Also du warst ja jetzt nicht der Einzige, der unterschrieben hat.

00:08:27: Ihr wart zu zweit, richtig?

00:08:29: Oder zu dritt oder zu viert?

00:08:31: Oder zu dritt, ja, zu mehreren sagen wir

00:08:34: mal so.

00:08:37: War denn diese, ich sage jetzt mal inkongruenz spürbar oder hat das eigentlich vielleicht nur jeder so für sich empfunden?

00:08:45: Oder hattest du das Gefühl, du bist der Einzige, der eigentlich nicht so richtig dahinter steht?

00:08:51: Ich glaube, ich war der, der am wenigsten hat mit Überzeugung unterschrieben.

00:08:57: Also einer, der, der das am wenigsten, glaube ich, so gemacht hätte.

00:09:00: Ich hätte jetzt anders gemacht.

00:09:02: Aber jetzt ist es dann so auf den Tisch gelegen.

00:09:05: Es gab auch keinen anderen Vorschlag.

00:09:07: Und von daher wurde dann auch eben der Brief so verschickt.

00:09:11: Gab also keinen Moment, wo du hättest sagen können, Na, stop, lass uns noch mal nachdenken.

00:09:19: Nee, es war ausdiskutiert, warum?

00:09:23: Der Grund war natürlich auch, da man dann steht im schwierigen Austausch um das Thema und natürlich dann auch Entscheidungen der Kooperationspartner bewertet und die Entscheidungen oder die, die da... getroffen wurden.

00:09:37: Von der anderen Seite waren uns gegenüber auch nicht so schön.

00:09:40: Da musste man schon darauf reagieren.

00:09:42: Die Frage ist die Tonlage oder auch die Schärfe, die in so Dokumenten dann zum Ausdruck kommt.

00:09:49: Das Ganze hat natürlich ein Fortgang noch.

00:09:51: Das ist ja nur die eine Seite der Geschichte.

00:09:53: Ja, willst du die andere Seite auch erzählen?

00:09:56: Ja, die gehört natürlich dazu.

00:09:57: Wir sind ja hier bei Management-Failern oder bei... Fehlern im Führungsalltag, so will ich sagen, Managementwork.

00:10:05: Fehlern die im Führungsalltag.

00:10:07: Naja, ich habe dann Wochen oder Monate später auch in Kontakt mit der anderen Seite.

00:10:15: Da gibt es ja durchaus auch vertraute Personen auf der anderen Seite.

00:10:19: Man kann sich da offen austauschen.

00:10:21: Und dann kam noch mal das Gespräch auch auf diese scharfe Dokument, diesen scharfen Brief und ich habe mich dann in diesem Gespräch davon distanziert und gesagt, eigentlich ist es gar nicht meine Meinung, die darüber kommt.

00:10:34: Und dann kam von der Gegenseite eine schroffe Bemerkung, die mich sehr getroffen hat.

00:10:39: Nämlich, warum hast du denn unterschrieben?

00:10:44: Und das hat mich wirklich in dem Moment sehr getroffen, weil ich mich selber ja schon ungut fühlte und jetzt mit der Offenbarung, dass ich da eigentlich gar nicht dahinterstehe, noch deutlich gemacht habe, dass ich mich da sehr... indifferent oder auch nicht korrekt Verhalten haben.

00:11:00: Meine Lehre, die ich aus der Situation gezogen habe, ist die, dass wenn ich so ein Dokument unterschreibe, dann muss ich auch in der Öffentlichkeit dazustehen.

00:11:09: Auch wenn ich anders denke und anders ticke.

00:11:12: Ich habe mir da keinen Gefallen getan damit, dass ich mich in diesem vertrauten Gespräch davon distanziert habe.

00:11:20: Ich habe da wirklich dann eine Backpfeife gekriegt.

00:11:22: und mit der Nüchternen kühlen und klaren, erschroffene Aussage, der Gegner so, warum hast du denn unterschrieben?

00:11:29: Die hat mich doch sehr getroffen und daraus habe ich so für mich die Lehre gezogen, also entweder ich riskiere einen Eklat bzw.

00:11:38: werde nicht unterschreiben und riskiere, innerbetrieblich oder auch mit den Kollegen dann ein Eklat oder aber, ich stehe dazu und dann auch nach außen und zwar überall und jedem gegenüber.

00:11:49: Das war für mich so der etwas bitterer, mit bitterem Beigeschmack versehene Inhalt dieser kleinen Situation.

00:11:57: Es ist nichts Großes, wie du magst.

00:11:59: Aber es macht was.

00:12:00: Es hat was mit mir gemacht.

00:12:01: Ich habe mich da schon tab gefühlt, geurfeigt gefühlt, berechtigt, durchaus berechtigt, wie ich das sehe.

00:12:08: Und das sollte man vermeiden, glaube ich.

00:12:10: Also

00:12:10: ich kann mir gut vorstellen, dass du dich eigentlich offenbart hast in der Hoffnung auf Verständnis und dass das Band, was vielleicht mal stark war und jetzt durch das Schreiben vielleicht ein Riss bekommen hat.

00:12:23: wieder zu kitten ist, oder?

00:12:24: Also, dass du mit einer anderen Erwartung dich geöffnet hast, sodass du Verständnis findest und nicht auch nochmal, wie hast du es gesagt, abgewartet wirst.

00:12:35: Ja klar.

00:12:38: Ich wollte deutlich machen, dass die Schafe und die Tonlage und mancher Inhalts eigentlich nicht von mir kommt und ich auch große Mühe habe damit und eigentlich nicht dazu stehe und wie gesagt berechtigt die Frage.

00:12:54: Du hast gesagt, deine Lehre daraus ist im Prinzip entweder oder, richtig?

00:13:00: Wenn ich mich dazu entscheide, mitzumachen, dann muss ich auch dazustehen.

00:13:04: Nach außen hin und an jeder Stelle.

00:13:06: Das kann ich jeder und jedem, der in solchen Situationen sich befindet, empfehlen.

00:13:12: Man kommt nicht umhin, im Leitungsleben, sage ich mal, auch ungute und unschöne Entscheidungen treffen zu müssen.

00:13:18: Auch wenn sie schwer fallen, Aber dann muss man auch dazustehen.

00:13:21: Hast du denn seitdem für dich einen eigenen Schutzmechanismus entwickelt, der greift oder gegriffen hat, immer, wenn du wieder in so einer Situation warst?

00:13:32: Hast du dir Zeit erbeten, darüber nachzudenken?

00:13:36: oder wenn du in so einer Situation wieder warst?

00:13:39: Wie hast du denn dann reagiert?

00:13:41: Also ich habe mich dann auf jeden Fall konkurrent verhalten, entweder sowohl nach ihnen als auch nach außen.

00:13:48: Und mir ist dann immer wieder auch diese Geschichte natürlich eingefallen.

00:13:52: Gibt ja dann so Merker im Kopf, dass man in bestimmten Stellen, in bestimmten Situationen dann rückgreift auf die Erfahrung, macht man ja eigentlich auch in anderen Lebensbereichen.

00:14:03: Mir ist mal auf einer Strecke her, ein Wildschwein ins Auto gelaufen.

00:14:08: Und seitdem fahre ich an der Stelle immer besonders langsam, obwohl ja, Wildschwein mehr ist.

00:14:12: Aber das kommt mir sofort in Erinnerung und das will ich nicht nochmal haben.

00:14:16: Ja, das ist wie so eine Kerbe, die man jetzt bekommen hat dadurch.

00:14:22: Ja, was würdest du denn einer unerfahrene Führungskraft raten, wenn sie merkt, oh, sie soll jetzt was mittragen, was sich eigentlich falsch anfühlt, diese Loyalitätsfrage, ne?

00:14:35: Hast du da einen Tipp?

00:14:36: Eigentlich würde ich sagen, würde ich raten.

00:14:40: so lange zu diskutieren, dass Entscheidungen herbeigeführt werden, die man mittragen kann.

00:14:44: Das wäre das Sauberste oder auch das Gesündeste.

00:14:47: Nicht schon mit diesem unguten Gefühl eine Entscheidung mittragen, sondern ein Kompromiss zumindest versuchen, auszuhandeln, den man dann auch gut und gewissens und ohne über seinen Schatten zu springen, nach außen hintertreten kann.

00:15:01: Wenn das gelingt, wenn das nicht gelingt, wäre ich heute wahrscheinlich soweit zu sagen, wenn unterscheibe ich nicht.

00:15:06: Bin damit dann aber auch wieder eindeutig.

00:15:08: Und auf das kommt es mir an, auf die Eindeutigkeit.

00:15:11: Eindeutigkeit ist so in dem Führungsalltag eines der wichtigsten Haltungen, so will ich es mit so Klarheit zu transportieren.

00:15:21: Ja,

00:15:22: das sehe ich genauso.

00:15:23: Auch wenn es manchmal unbequem ist oder nicht so schön, aber dann wissen die anderen auf jeden Fall, woran sie sind.

00:15:29: So ist es.

00:15:30: Ja.

00:15:31: Könntest du dir denn vorstellen, oder hast du vielleicht selber so etwas entwickelt?

00:15:36: Ich habe ja eben von Schutzmechanismus gesprochen, aber es könnte ja auch ein Ritual sein.

00:15:41: Wir haben am Anfang unseres Gesprächs von einem Ritual gesprochen.

00:15:45: Ein Ritual, das einem hilft, wenn es jetzt schwierig wird, sich ein bisschen Zeit zu verschaffen.

00:15:52: Zeit zu verschaffen ist vielleicht das richtige Wort.

00:15:54: Ich war natürlich bei einer Veranstaltung, da war eine... ausgezeichnete Sportlerin auf Weltniveau, die gefragt wurde, wie kommt sie denn dazu, sich auf den kommenden Wettkampf einzulassen?

00:16:07: und sie sagte dann, ich zähle langsam von dreißig zurück bis null und wenn ich zwischendurch unterbrochen werde von irgendwelchen Gedanken, die so quer einschießen bei meiner inneren Vorbereitung auf den Wettkampf, dann fange ich wieder von dreißig an.

00:16:25: Also ich fange jedes mal neu an, bis ich von dreißig bis null ganz weiter Sache.

00:16:32: Das kann man sich nicht immer machen, nicht immer leisten.

00:16:34: Vielleicht muss man nur von fünf zurückzählen.

00:16:37: Ich habe auch gerade gesagt, dreißig ist schon lang.

00:16:41: So war das aber in der Vorbereitung zum Wettkampf.

00:16:44: Da hat man ja ein bisschen Zeit, wenn man noch in der Kabine sitzt.

00:16:46: Und wenn man von dreißig bis null ungestört sich auf den Wettkampf konzentrieren kann, dann ist man gut vorbereitet.

00:16:54: Vielleicht sollte man sich in solchen Situationen, wie wir sie gerade ja jetzt besprochen haben, tatsächlich auch ein paar Sekunden Zeit lassen und in sich hinein hören und fragen, was sagt denn die innere Stimme?

00:17:07: Kann ich da jetzt mitmachen?

00:17:08: Oder sagt meine innere Haltung, mein inneres Wertesystem, mein Wertekostüm, lass es also da drauf zu hören, was so das Herz dann an der Stelle aussagt.

00:17:19: Das ist vielleicht vielleicht ganz wichtig.

00:17:22: könnte durchaus helfen.

00:17:23: Ich hatte jetzt auch gerade so eine Idee, wenn du jetzt aus deiner heutigen Sicht zurückdenkst, dann hättest du wahrscheinlich heute einen Satz im Ohr, der dir ins Ohr reingeflüstert wird, so als kleine Warnung.

00:17:39: Nimm dir Zeit oder Zähle von zehn bis fünf runter.

00:17:44: Ja, höre in dich hinein, lass dir ein paar Sekunden Zeit und höre in dich hinein, ob du mit im wahrsten Sinne des Wortes guten gewissens.

00:17:51: und mit einer inneren Überzeugung und auch mit mit inneren Argumenten, die zwar nicht immer eindeutig sind, aber dann doch zu der Entscheidung findest, da mache ich mit oder zu der Entscheidung kommst, da kann ich nicht mitmachen, ohne mich massiv zu verbiegen.

00:18:04: Ist es verbiegen, das ist ungut auch für, sage ich mal, die Stabilität des inneren Wertesystems.

00:18:11: X-mal auf solche Deals kommt nicht vor jetzt, aber wenn man sich X-mal darauf einlassen würde, ständig Dinge zu tun, von denen man nicht überzeugt ist, tut niemandem gut und ich glaube, dann verliert man auch seine innere Richtschnur.

00:18:24: Glaubst du denn nicht, dass man die ohnehin erst einmal finden muss?

00:18:28: Also wenn man jetzt neu als Führungskraft startet, glaubst du daran, dass man schon so eine innere Haltung mitbringen muss?

00:18:36: oder kann man die auch entwickeln?

00:18:38: Also ich denke, dass es so ein paar Grundprinzipien schon gibt, die jeder mitbringen muss, die er auch schon in seinem Vorführungsleben haben sollte, also Aufrichtigkeit.

00:18:48: Transparenz, Wertschätzung den anderen gegenüber und keine doppelten Spielchen zu machen.

00:18:55: Ich denke, das muss man nicht erst entwickeln.

00:18:57: Das sollte man mitbringen.

00:18:59: Eine gewisse Grundhaltung, eine Loyalität ins Gremium hinein, eine Loyalität im Unternehmen gegenüber und vor allem eine Loyalität in Mitarbeitenden gegenüber.

00:19:11: Ich denke, solche Grundmusters sollten auf jeden Fall da sein, wenn ich die als Führungskraft erst mehr entwickeln muss.

00:19:18: komme ich ganz schön in Schwierigkeiten vermutlich in den ersten Monaten oder Jahren.

00:19:22: Ich glaube, dass jeder schon ein gewisses Wertesystem mitbringen muss.

00:19:25: Also zumal, wer ja auch immer wieder vor Situationen gestellt sind, in denen man auch eine schnelle Entscheidung treffen muss und eben überhaupt gar keine Zeit hat.

00:19:35: Das gibt es auch, ja.

00:19:36: Was würdest du denn da für ein Tipp geben?

00:19:38: Naja, ich glaube, die Situation gibt es wirklich nicht allzu oft, dass ich sofort jetzt aus dem Stand raus eine Entscheidung treffen muss mit einem... mit großer Tragweite kann es auch mal geben, aber ich glaube das kommt relativ selten vor.

00:19:52: Also wenn möglich sich Zeit lassen, kurz in sich hinein hören und dann kann ich da, kann ich das so machen, stehe ich da dazu, bin ich das, bin ich das, der diese Entscheidung auch trifft oder ich gehe dann doch andere Wege oder bitte um aufschub und muss nachdenken, kann jeder verstehen, mit dem berühmten Satz, da muss ich erst mal drüberschlafen oder so, der manchmal auch ein bisschen mit Spaß gesagt wird.

00:20:17: Aber eben diese sich nicht in so eine Zwangssituation erbringen lassen.

00:20:22: Wieso muss ich das jetzt sofort entscheiden?

00:20:24: Aus dem Stand raus, ohne nachzudenken.

00:20:26: Das bleibt nichts Gutes.

00:20:28: Ich habe dich ja eingangs gefragt, was du morgens für ein Ritual hast.

00:20:32: Hast du denn abends auch noch ein Ritual?

00:20:34: Ja, bevor ich einschlafe, wenn ich nicht allzu müde bin, lese ich immer noch ein bisschen was.

00:20:39: Ich habe beispielsweise dann Zeit online vor mir und guck mal, was so ein Aktualität gerade.

00:20:45: geschrieben wird und lese vielleicht noch einen halben oder einen ganzen Artikel, bevor wir dann tatsächlich die Augen zufallen.

00:20:51: Oder ich habe natürlich auch Bücher auf dem Schrafen nachtisch und gucke da auch rein.

00:20:56: Also ich in der Regel lese ich vorher noch, bevor ich mich schlafen lege.

00:21:00: Was lest du denn gerade für ein Buch?

00:21:02: Also wie gesagt, gerade habe ich Zeit online und ich habe ein sehr gutes Buch.

00:21:08: Ich weiß, muss man schauen, darf den Titel richtig benennen.

00:21:11: Ja.

00:21:13: Können wir mal dreißig Sekunden unterbrechen.

00:21:15: Ja, klar.

00:21:17: Da bin ich wieder.

00:21:18: Also, wir haben gerade zwei Bücher mal gegriffen.

00:21:20: Das eine kommt von Tatiana Schnell und Kilian Trottier.

00:21:24: Der Titel des Buches heißt, Sinn finden.

00:21:27: Und der Titel, warum es gut ist, das Leben zu hinterfragen.

00:21:30: Da gibt es viele, viele schöne Anregungen, mit denen man sich selber auf, sozusagen, interner Ebene mit sich auseinandersetzen kann und... Es ist auch ein bisschen so eine Art Arbeitsbuch oder Anleitung, sich eben mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen.

00:21:46: Ich finde es sehr inhaltsreich.

00:21:48: und ein zweites Buch.

00:21:49: Es ist dann ein New York Times Bestseller von Robert Waldinger und Marc Schulz.

00:21:57: The Good Life.

00:21:58: Ist

00:21:58: das auf Englisch?

00:21:59: Und wie es gelingen kann, Erkenntnisse aus der weltweit längsten Studie über ein erfülltes Leben.

00:22:04: Das ist nämlich in Deutsch geschrieben.

00:22:07: Das hat mich auch sehr angesprochen und das werde ich demnächst anfangen.

00:22:10: Ah, gut, da frage ich dich dann noch mal danach.

00:22:13: Ja, vielen Dank, Jörg.

00:22:14: Entschuldigung, jetzt haben wir den Tag überspannen vom ersten Liter Schwarztee bis abends zum Licht ausmachen und dann tatsächlich.

00:22:21: Und ich habe das Glück, ich kann schnell einschlafen.

00:22:24: Dank der Bücher.

00:22:26: Und die dürfen aber nicht so langweilig sein, oder?

00:22:28: Das ist deshalb einschliffst.

00:22:31: Sie sind bisher nicht langweilig.

00:22:32: Nein, überhaupt nicht.

00:22:33: Ganz im Gegenteil.

00:22:34: Das wäre anregend.

00:22:35: Okay.

00:22:35: Dann danke ich dir für das Gespräch, dass du da sehr offen darüber gesprochen hast.

00:22:40: Das kann ich mir gut vorstellen, vielleicht auch ein bisschen mit Überwindung verbunden.

00:22:46: Wer berichtet denn schon gerne von seinen Fehler?

00:22:50: wenn sie dann noch so peinlich auch sind, wie in der Situation war, klar.

00:22:54: Aber du wartest mich ja mal drüber nachzudenken, wo so Fehler sind.

00:22:57: Und ich hab gedacht, dir liebe Kerstin, kann ich das erzählen?

00:23:00: Wir sind ja unter uns.

00:23:01: Es hört niemand zu.

00:23:03: Ja, es hört niemand zu.

00:23:04: Außer ein paar Leute aus den Vereinigten Staaten, aus Kanada, aus Singapur, Österreich, Frankreich, wo man das jetzt schon überall hört, ist es auch echt erstaunlich.

00:23:17: Darf ich mal alle grüßen jetzt?

00:23:19: auf diesem Weg.

00:23:20: Ich ziehe meinen nicht vorhandenen Hut vor dir, die bekastet, was du da schon an Reichweite und Internationalität guckst.

00:23:27: Ja, dank der Gäste, die immer wieder hier sind, so wie du, dann sagen wir mal Tschüss in die Runde.

00:23:33: Schön mit dir zu reden.

00:23:34: Und ja, hat mich vielleicht auch ein bisschen entlastet nochmal von der Situation.

00:23:40: Wenn man drüber redet, dann wird es ja... Flüssiger, dann verfliegt es vielleicht auch eher, was so ein negativen Gefühl damit einhergeht.

00:23:47: Danke dir!

00:23:48: Ja, ich habe dir zu danken.

00:23:49: Tschüss!

00:23:55: Herzlichen Dank für deine kostbare Zeit, in der du uns zugehört hast.

00:23:59: Ich hoffe, die heutige Folge hat dir gefallen.

00:24:02: Und falls du Fragen hast oder Unterstützung in deinem Führungsalltag suchst, dann kannst du dich gerne bei mir melden.

00:24:08: In den Show Notes findest du die Kontaktwege zu mir.

00:24:11: Also bis zum nächsten Mal wünsche ich dir wundervolle und genussvolle Tage.

00:24:16: Tschüss, tschüss!

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